Brandbrief der SPD-Fraktion Spandau zum Eichenprozessionsspinner

An den Bezirksstadtrat für Bauen, Planen, Umwelt- und Naturschutz
Herrn Thorsten Schatz

Die Menschen in Spandau erwarten endlich entschlossenes Handeln

Sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Schatz,

die Situation rund um den Eichenprozessionsspinner, insbesondere in Haselhorst und Siemensstadt, hat ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß erreicht. Als SPD-Fraktion Spandau erreichen uns seit Monaten zahlreiche Rückmeldungen besorgter Bürger*innen aus verschiedenen Teilen des Bezirks, die ihren Alltag durch den Befall massiv eingeschränkt sehen.

Diese Sorgen wurden auch bei einem Bürgerinnendialog der SPD am 16. Juni 2026 eindrucksvoll bestätigt. Die Teilnehmer*innen berichteten übereinstimmend, dass Parks, Spielplätze, Gärten und Balkone teilweise nicht mehr genutzt werden können, Fenster geschlossen bleiben müssen und es infolge der Brennhaare zu gesundheitlichen Beschwerden und Arztbesuchen kommt. Familien schilderten ihre Sorge um ihre Kinder sowie um die Sicherheit ihrer Haustiere.

Besonders bewegend waren die Berichte von Eltern, die aus Angst vor den Folgen des Eichenprozessionsspinners zeitweise darüber nachdenken, ihre Kinder nicht in die Kita zu schicken. Zudem wurde geschildert, dass sich betroffene Bäume in unmittelbarer Nähe von Schulen und Kindertagesstätten befinden und Bekämpfungsmaßnahmen während des laufenden Betriebs stattfinden. Viele Bürger*innen haben den Eindruck, dass der Schutz von Kindern und Familien nicht ausreichend gewährleistet ist.

Ebenso alarmierend ist die Wahrnehmung vieler Anwohner*innen, dass sich die Situation seit Jahren verschlechtert und bekannte Problemstellen nicht konsequent genug angegangen werden. Viele äußerten die Befürchtung, dass auch im kommenden Jahr wieder zu spät reagiert wird.

Gleichzeitig hat das Bezirksamt in Antworten auf parlamentarische Anfragen unserer Bezirksverordneten Miloslava Büger erklärt, dass zwar keine belastbare Prognose möglich sei, bekannte Hotspots wie Siemensstadt jedoch erneut betroffen sein dürften. Zudem wurde mitgeteilt, dass aus finanziellen Gründen kein erweitertes Monitoring vorgesehen ist und keine gesonderten personellen oder finanziellen Mittel für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingeplant wurden.

Auch wenn Haselhorst und Siemensstadt derzeit besonders betroffen sind, handelt es sich um eine Aufgabe von bezirksweiter Bedeutung. Der Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen Folgen des Eichenprozessionsspinners muss deshalb einen deutlich höheren Stellenwert erhalten.

Die Forderungen der Bürger*innen sind eindeutig

Aus den Gesprächen mit den Einwohner*innen ergeben sich klare Erwartungen an das Bezirksamt:

  • Frühzeitiges und präventives Eingreifen, bevor sich der Befall flächendeckend ausbreitet.
  • Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel, damit notwendige Maßnahmen nicht an Budgetgrenzen scheitern.
  • Konsequenter Schutz von Kitas, Schulen, Spielplätzen und Wohngebieten, in denen sich täglich viele Menschen aufhalten.
  • Eine engere Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung und anderen Berliner Bezirken, um bewährte Konzepte zu übernehmen und gemeinsam umzusetzen.
  • Die Vorlage des bereits angekündigten Maßnahmenplans für den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner.
  • Mehr Transparenz gegenüber der Bevölkerung über bekannte Hotspots, geplante Maßnahmen und den aktuellen Stand der Bekämpfung.
  • Eine langfristige Strategie statt jährlicher Improvisation, damit sich dieselben Probleme nicht Jahr für Jahr wiederholen.

Unsere Forderungen an das Bezirksamt Spandau

Die SPD-Fraktion Spandau fordert das Bezirksamt auf,

  1. unverzüglich einen verbindlichen Aktions- und Maßnahmenplan für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners mit klaren Zuständigkeiten, Prioritäten und einem Zeitplan vorzulegen,
  2. bekannte Hotspots in Haselhorst, Siemensstadt und weiteren betroffenen Bereichen des Bezirks systematisch zu überwachen und frühzeitig zu behandeln, um eine massenhafte Ausbreitung zu verhindern,
  3. die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen im Rahmen der Haushaltsplanung bereitzustellen beziehungsweise diese aktiv beim Land Berlin einzufordern,
  4. die Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung sowie den Nachbarbezirken zu intensivieren und erfolgreiche Konzepte auf Spandau zu übertragen,
  5. Kitas, Schulen, Spielplätze und andere besonders sensible Bereiche prioritär zu schützen und Maßnahmen dort frühzeitig umzusetzen,
  6. die Öffentlichkeit regelmäßig und transparent über bekannte Befallsgebiete, geplante Bekämpfungsmaßnahmen und den aktuellen Stand der Arbeiten zu informieren, insbesondere über die Internetseite des Bezirksamts und weitere geeignete Kommunikationskanäle,
  7. nach Abschluss jeder Saison eine öffentliche Auswertung vorzulegen, aus der hervorgeht, welche Maßnahmen ergriffen wurden, welche Erkenntnisse gewonnen wurden und welche Konsequenzen daraus für die folgende Saison gezogen werden,
  8. auf Grundlage dieser Auswertung ein dauerhaftes Präventions- und Handlungskonzept fortzuschreiben, damit bekannte Probleme nicht Jahr für Jahr erneut auftreten.

Die Menschen in unserem Bezirk haben ein Recht darauf, öffentliche Grünflächen, Spielplätze und ihre eigenen Balkone ohne Angst nutzen zu können. Der Eichenprozessionsspinner ist längst kein Randthema mehr – er beeinträchtigt die Lebensqualität zahlreicher Familien in Spandau.

Unser Ziel muss sein, dass der Eichenprozessionsspinner gar nicht erst zu einer Gesundheitsgefahr wird. Das gelingt nur durch konsequente Prävention, ausreichende finanzielle Mittel, ein funktionierendes Monitoring und rechtzeitiges Handeln. Prävention ist der beste Gesundheitsschutz.

Die Menschen in Spandau erwarten keine weiteren Ankündigungen, sondern nachvollziehbare Ergebnisse. Wer bekannte Hotspots seit Jahren kennt, muss rechtzeitig handeln, transparent informieren und aus jeder Saison die richtigen Konsequenzen ziehen. Nur so kann verhindert werden, dass aus einem beherrschbaren Umweltproblem Jahr für Jahr aufs Neue eine erhebliche Belastung für die Menschen in unserem Bezirk wird.

Die SPD-Fraktion Spandau wird den Umgang des Bezirksamts mit dem Eichenprozessionsspinner weiterhin parlamentarisch begleiten und erwartet zeitnah konkrete Maßnahmen. Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch auf einen wirksamen Gesundheits- und Präventionsschutz sowie auf transparente Informationen über die ergriffenen Maßnahmen.

Mit freundlichen Grüßen

SPD-Fraktion Spandau

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